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Viddha - der verwundete Mensch - Heilpädagogische Dialektik in indischer Resonanz

 
Thomas Friedrich

Viddha - der verwundete Mensch - Heilpädagogische Dialektik in indischer Resonanz
Artikel Nr.: 332
ISBN: 978-3-86585-332-5
ISSN: 1612-2305
Seitenanzahl: 365

Preis: 35,90 EUR
(inkl. 5% MwSt.)

Anzahl:

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Inhalt:

Introitus

I. Heilpädagogische Wunden – Trittsteine

Über die Perzeption der Pein. Suchbewegung nach Schadstellen

Über eine Metapher der Periagoge. Heilpädagogische Beziehungsanalyse

Über den Anfang. Grund des Dialogs bei Todorov, Levinas und Buber

Bericht zu Vinoba Bhaves landverbundene Abstraktion von Befreiungspädagogik

Über die altindische Metaphysik des Vedanta als geistiges Kulturerbe - eine hinduistische Bedingung der Möglichkeit von Sozialarbeit

Von der Position der Grenze zur „conditio educativa“

Selbstprotokoll aus einer Forumssitzung zur dialogischen Sensibilisierung

Fragment zum unvollendeten Unbehagen. Phänomen Behinderung

Zwei Friedensprojekte einer gemeinwesenbasierten Hilfe in Kadambur und Chengalpattu

Gandhianischer Widerspruch gegen Arundhati Roys Rassismusvorwurf

Über Not und Subjekt. Neun Thesen heilpädagogischer Wahrnehmung

 

II. Wunden und Wunder - fremde Schreibarbeit

Präliminarium: Palaver und Magie afrikanischer Literaturarbeit

Rekurs zu zwölf Würzburger Fragmenten von Literaturarbeit Afrika - Antlitz, Unsichtbarkeit und Fehlstellen

Die zweifache Entdeckung des Missionsschülers und Volkskundlers Aniceti Kitereza aus Tansania. Über eine kontextuelle Rekonstruktion

Luftpost und Hinterbühne. Der Anfang afrikanischer Literaturarbeit

III. Zeitzeugenschaft & Gastbeiträge

Konrad Borst: Ferngespräch. Biographischer Dialog zu Peru und Indien. Immerfort gehen

Konrad Borst: Europäische Heimatverluste

Konrad Borst: Indisches Daheimsein

Lee Bach Bayram: Die Arche-Kommunität. Gewaltfreiheit, Spiritualität, Inspiration vom Arbeitenden Orden

Lee Bach Bayram: Weg der Schönheit

Lee Bach Bayram: Erinnerungen an die Anfänge der deutschen       Friedensbewegung

 

Postscriptum & Autorennotiz




Weitere Informationen
Autorentext:
„Viddha“ meint auf Sanskrit die Wunde, die Schadstelle, den Schmerzensfleck, die dem Menschen eigen sind und gleichwohl nicht vermeidbar. Wunden erschaffen Achtsamkeit und Solidarität. Der Lebensweg des Menschen durch Raum, Zeit und Kulturen ist lang und unüberschaubar, die Gestalt und die Genese des Humanums, gar die Mitarbeit an einem Humanismus sind ein weites Feld: Darin zentriert sich und zirkuliert der Blick und die Aufgabe von Heilpädagogik.

Das „Viddha“-Projekt (2020) ist ein unterdessen 7-jähriger, vorsichtiger Beitrag zu der randständigen, land- und menschenverbundenen International Vergleichenden Heil- und Sonderpädagogik, schließt sich an den „Samsara“-Essay (2010) und den „Maya“-Entwurf (2012) als eine dritte Stufenfolge an, als eine fortschreitende Inwendigkeit im hermeneutischen Gang von außen nach innen, als ein Versuch einer vermehrt heilpädagogischen Beziehungsanalyse, in deren Mitte Bubers Zwischenmensch und Levinas´ Verwundung stehen.

Mensch und Mitwelt sind beschädigte Wesen, verletzliche Geschöpfe, in ihrer Erschwernis nicht alleinbleibend aber, existieren in der anthropologischen Grundkonstante eines homo vulnerabilis. Denn „den Anderen anerkennen heißt einen Hunger anerkennen“, schrieb Levinas: Die Grundbedingung der Verwund-barkeit, Verletzlichkeit, Vulnerabilität und der Demut gilt es zu lernen, vielleicht kennenzulernen. Somit ist Bildung ein enger „Feldweg“ (Heidegger) durch das eigene und anderer Leben, durch das eigene „Glasperlenspiel“ (Hesse) aus Innen und Außen auf wackligen Böden mit all den besagten Begegnungen, die einen treffen, zufallen und zustoßen und die wiederum Aufgaben werden für die Fortbewegung der eigenen behinderten Bildung des alteuropäischen imago dei.

Die Begegnung mit der Alterität zeugt das Bewusstsein unserer selbst und unserer begrenzten Freiheit, zeugt die tiefe Unruhe des Denkens und Beobachtens. Diese Unruhe umreißt hier im Jasper´schen Sinne das Chiffre Indien (mit afrikanischem Exkurs). Von daher ist diese Aufsatzsammlung auch eine Beobachtung von erstaunlicher Rückwirkung, eine Refluenz der prägnanten indischen Erfahrung auf die europäische Situation. Die Refluenz hat den Autor indischer gemacht; die Begegnung ändert ihre Menschen zweifelsohne und selbstrevidierend. „Am Ende wird man, was man wählt zu sein“, mag der wandernde Bhakti-Dichter Tukaram des 17. Jh. das unruhige Denken des Humanismus als sonderhafte oder heilfertige conditio educativa rekogniszieren. Lebensfreude schimmert allerorten.